Job mal stueckchenweise - Stueck 2

Vor vielen, vielen Monden versprach ich euch, mehr ueber meinen Job zu schreiben. Manchmal bewegen sich die Raedchen hier im schoenen Western Australia etwas langsamer, aber immerhin. Hier nun der zweite Teil meines Berufsepos.


Seit Stueck 1 hat sich an meinen Arbeitsumstaenden nicht viel geaendert. Die Bezahlung ist noch die Gleiche, wenn sich auch in dieser Richtung ein Licht am Ende des Tunnels aufgetan hat (mehr dazu in Teil 3).

Die Kollegen sind immer noch cool, also auch in dieser Hinsicht nicht viel Neues. Wir sind alle verrueckte Freaks, die mehr Spass am Leben als am Geld haben. Ausserdem sind wir so voller Muell im Schaedel, dass es hier nie langweilig wird.

Ich hatte ja erwaehnt, dass sich das Unternehmen in zwei Richtungen weiterentwickeln wird. Ein neuer Laden und ein mir doch allzu bekanntes Territorium: System- und Projektmanagement!

Wer mich kennt, weiss, worauf das hinauslaeuft. Ich werde sehr viel arbeiten, aber auch endlich wieder das tun, was mir nicht nur am meisten Spass macht, sondern was ich auch am Besten kann: Systeme (weiter-)entwickeln. Ich warte darauf ja schon seit einiger Zeit, aber die Plaene verdichten sich. Auch hierzu gibt es dann in Teil 3 mehr.

Generell habe ich ja an dem, was ich im Moment tue nicht viel auszusetzen. PCs und Laptops zu reparieren und zu bauen ist eine lohnende Arbeit, die nicht allzu schwer ist. Sie setzt aber mein Gehirn nicht wirklich unter Druck und wenn ich nicht ab und an was entwickeln kann, weicht meine Denkmaschine ein. Ausserdem ist es mies bezahlt und Kundenkontakt ist auch nicht gerade meine Staerke.
Dazu MUSS ich euch einfach ein Beispiel geben:

Vor zwei Tagen kommt ein Kunde (deutscher Name uebrigens) in den Laden und wird von mir auf die uebliche, freundliche Weise begruesst. Er sucht nach einer Erweiterung der Festplattenkapazitaet fuer seinen Laptop. Ein iBook. Das ist ein Apple-Produkt, mit dem ich mich nicht genauer auskenne. Selbstverstaendlich weise ich ihn darauf hin und mache klar, dass ich ihm die externe Festplatte, die ich ihm gerade verkauft habe, lediglich anschliessen kann um zu sehen, ob sie erkannt wird. Einrichten kann ich sie ihm nicht, das soll er mal brav bei dem Apple-Laden am Highway machen lassen.

Soweit so gut. Angeschlossen, funktioniert, fein, Geld her. Kunde gluecklich, Welt kunterbunt.

Gestern kommt der wieder rein, legt die Festplatte auf den Tisch, will sein Geld wieder. Ich frage, ob die Platte defekt sei. Nein, ist sie nicht, aber der Typ im Apple-Laden hat gesagt, das das mit seinem Mac nicht funktioniere und nicht das tun wuerde, was er will. Nach viel Hin- und her wird schnell klar, dass sich mein potentieller Landsmann genau garnicht auskennt und der Appletyp ihm nen Floh ins Ohr gesetzt hat um ihm eine von SEINEN Festplatten zu verkaufen.

Da natuerlich Australien auch nicht das Land der freien Wuensche ist, muss ich ihn auf unsere Ladenregeln hinweisen. Im Gegensatz zu dem mir bekannten Europa kann sich naemlich nicht jeder Kunde staendig seine Meinung wechseln lassen und kriegt dann seine Kohle wieder. Nee nee, hier benutzt mein ERST seinen Kopf, DANN die Kreditkarte.
Unser Kunde faengt an rumzumaulen und rumzupoebeln anstatt mal ordentlich zuzuhoeren. Mein Kollege L., der seit kurzem offiziell Manager ist, kommt hinzu und bietet dem Kunden an, mit dem Besitzer des Geschaeftes zu reden und zu sehen was er machen kann.

Spaetestens jetzt sollte jedem klar sein, dass der Kunde sein Geld nicht einfach wieder bekommt. Vor allem nicht mit dieser Einstellung und dieser Begruendung.

Heute kam er wieder rein. Da ich wusste, dass mein Boss damit kein Problem hat, bot ich dem Kunden an, ihm das naechstbessere Produkt ohne Aufpreis zu ueberlassen, denn dann waere das alles schnell genug fuer die Videobearbeitung die er machen wolle. Kundensicherung ballert wieder durch: Er hab sich von dem Appletypen schon ne neue Festplatte einbauen lassen und will sein Geld wieder.

Problem: Produkt macht was Kunde will, funktioniert einwandfrei und ist genau, wonach er gefragt hat.
Loesung: Kunde behaelt Produkt und kann sich von mir aus bei den Customer Affairs, dem Verbraucherschutz beschweren.

Der Kollege stapft (ohne seine Festplatte) wuetend raus und kommt nach 10 Minuten wieder, nimmt wortlos die Festplatte entgegen und geht. Er hat offensichtlich mit den Customer Affairs geredet und die haben ihm verklickert, dass wir hier im Recht sind.

Mehr als eine Moral der Geschicht’:

1. Man sollte sich ueber die Regeln eines Landes informieren, wenn man hierherkommt und lieber zuhoeren anstatt gleich so auszuklinken
2. Man schalte erst den Kopf ein und dann kaufe man. Ohne Recherche setzt man sich, gerade mit Technik, sauschnell in die Nesseln.

Bedenkt bitte, das ich fast jede Woche einen von diesen Pfosten habe.

Nun hoffe ich, dass eure Augen nicht zu sehr bluten, denn ich muss jetzt los und meine Holde von der Arbeit abholen. Wohlgemerkt: Es ist 19:45 und ihre Schicht geht bis 20:00…

LG

euer Shamyas

Veröffentlicht in: on April 17, 2008 at 18:20

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